Lastentransport mit dem Fahrrad?

Den Verkehr mit schweren Lkws haben die meisten Kommunen inzwischen aus ihren Innenstädten verbannt und sich damit im wörtlichen wie im übertragenen Sinn etwas Luft verschafft. Doch mit der sowohl in der Vergangenheit als auch künftig rapide wachsenden Zahl der Kurier-, Express- und Paket-Leistungen (kurz KEP) stehen sie vor neuen Herausforderungen. So wuchs das KEP-Sendungsvolumen nach den Zahlen des Bundesverbands Paket und Expresslogistik (BIEK) in den Jahren 2000 bis 2013 um 57%. Die Folgewirkungen: parkende Lieferwagen in der zweiten Reihe oder auf Geh- und Radwegen, gefährliche Überholmanöver und eine chronische Verstopfung ohnehin schon überlasteter Verkehrswege.

Logistikdienstleister suchen neue Ansätze – zusammen mit Städten und Kommunen.

Der Trend zu immer mehr KEP-Verkehr wird auch in Zukunft weiter anhalten. Daran besteht nach Expertenmeinung kein Zweifel. Antrieb dieser Entwicklung ist neben dem wachsenden Internethandel im B2C-Bereich vor allem der steigende Konkurrenzdruck im Einzelhandel, der zu einer weiteren Reduzierung der Lagerflächen führt.

Besonders kleinere Geschäfte sind dabei auf die Optimierung der Lieferketten unter dem Stichwort „just in time“ angewiesen. Vor diesem Hintergrund suchen inzwischen auch die Logistikdienstleister nach neuen Ansätzen. In seiner „Nachhaltigkeitsstudie Innenstadtlogistik“ (02/2015) fordert der BIEK dabei eine intensive Zusammenarbeit mit den Städten und Kommunen. Das gemeinsame Ziel: effizienter und nachhaltiger Warentransport. Denn der größte Teil der Abholungen und Zustellungen auf der „letzten Meile“ findet in städtischen Ballungsräumen statt.

Mit neuen Regeln, Mikro-Depots und Lastenrädern ans Ziel

Die Zielsetzung, eine hohe Aufenthalts- und Lebensqualität in den Städten und Kommunen und sichere Verkehrswege für alle zu erreichen, wird mit dem aktuellen Lieferverkehr bereits heute konterkariert. Dabei gibt es durchaus Lösungsansätze, die jedoch zwingend ein enges Zusammenwirken aller Beteiligten – KEP-Dienstleister, Einzelhandel und unterschiedliche Ressorts in den Kommunen selbst – erforderlich machen. Dazu gehören planerische Maßnahmen wie die Ausweisung neuer Ladezonen inklusive einer deutlich konsequenteren Verkehrsüberwachung ebenso wie Maßnahmen des Gesetzgebers zur Privilegierung von Wirtschaftsverkehren in Ladebereichen. Beispiel: Einführung der „Zickzack-Linie“, Zeichen 299 StVO, in Verbindung mit einem neuen Verkehrszeichen „Ladebereich“.

Sinnvoll und notwendig erscheint auch die weitere Förderung von automatisierten Schließfächern und zentralen Abholstationen sowie die Einrichtung von sogenannten Mikro-Depots. Letztere dienen als Umschlagstellen (Hubs), von denen aus im Nahbereich zu Fuß oder mit dem Lastenrad ausgeliefert wird. Lastenräder können hier künftig eine wichtige Funktion übernehmen, da sie den Radius und die Leistungsfähigkeit der Zusteller rund um den Hub erweitern und die Möglichkeit bieten, Sendungen sicher und wettergeschützt in Boxen aufzubewahren.

Die Renaissance des Lastenrads hat bereits begonnen

In Europa waren Lastenräder viele Jahre eine selbstverständliche und kostengünstige Alternative zu Karren und Pferdedroschken. In Fahrradländern wie den Niederlanden oder Dänemark sind sie inzwischen wieder eine Selbstverständlichkeit geworden. Praktische Gründe und ein moderner „Lifestyle of Health and Sustainability“ machen die vielfältig nutzbaren Räder, die es inzwischen in allen möglichen Variationen mit und ohne Motorunterstützung gibt, bei Lieferdiensten, Handwerkern, Einzelhändlern und vielen Familien beliebt. Auch in Deutschland sind moderne Lastenräder für junge urbane Familien inzwischen gleichzeitig praktische Helfer, Ausweis einer neuen Haltung und Statussymbol. Auch bei Lieferdiensten, wie zum Beispiel Pizzaboten, ersetzen spezielle Lastenpedelecs inzwischen zunehmend den Motorroller und den Pkw.

Die zentralen Argumente: Schnelligkeit und keine Parkplatzprobleme beim Transport von A nach B sowie niedrige Kosten im Unterhalt. Bei bis zu 30.000 km, die Lieferpedelecs beispielsweise bei Dienstleistern wie „Joey’s Pizza“ jährlich absolvieren, ergeben sich für Unternehmen handfeste ökonomische Vorteile.