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AGFS-Kongress 2019 mit neuem Teilnehmerrekord

AGFS Kongress 2019

Die Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen e. V. (AGFS) behandelte das Thema Verkehrssicherheit bei ihrem diesjährigen Kongress, der am 21. Februar, parallel zur Publikumsausstellung Fahrrad, im Messezentrum Essen stattfand. Rund 700 Teilnehmer, mehr als an früheren Kongressen, diskutierten mit Experten aus Politik, Verwaltung und Forschung über eine zeitgemäße Verkehrsinfrastruktur, die mehr Sicherheit insbesondere für die Nahmobilität zu gewährleistet, und erörterten die hierfür benötigten rechtlichen Rahmenbedingungen, wie etwa eine Anpassung der Straßenverkehrsordnung.

Eine Frage des Geldes

„Stärken Sie die Kommunen!“, diesen Appell richtete Frank Meyer, OB der Stadt Krefeld und Vorsitzender des AGFS-Präsidiums gleich zu Beginn an den Bund und das Land. Nur durch weitere finanzielle Unterstützung seien die Städte und Gemeinden in der Lage, Infrastrukturen für eine Verkehrspolitik zu schaffen, mit denen die Verkehrssicherheit erhöht werden und Deutschland seine Klimaziele erreichen könne. Zusagen hierfür gab es pauschal von den Vertretern des Landes und des BMVI. Sicherheit sei eine zentrale Voraussetzung für den Umstieg aufs Rad. Das Land gebe für den die Förderung der fahrrad- und fußgängerfreundlichen Nahmobilität in diesem Jahr insgesamt 2,25 Mio. Euro mehr als im Vorjahr aus, erklärte der Leiter der Abteilung Grundsatzangelegenheiten der Mobilität, Digitalisierung und Vernetzung beim Landesverkehrsministerium Dr. Dirk Günnewig. Für den Bund bekannte sich die Radverkehrsbeauftragte beim BMVI Karola Lambeck besonders zum weiteren Ausbau der Radschnellwege wies auf die Überprüfung der Straßenverkehrsordnung auf größere Nahverkehrsfreundlichkeit hin, die derzeit im Gange sei.

Platz für Sicherheit

Mit den bisherigen Maßnahmen jedenfalls ist nach dem Urteil eines Referenten der Unfallforschung der Versicherer kein signifikanter Zuwachs an Sicherheit in der Nahmobilität zu erreichen. An Kreuzungen und Querungen ereignen sich nach der Analyse der Versicherer immer noch die meisten Unfälle mit Personenschaden – Grund hierfür sei mangelnde Sicht- und Sichtbarkeit, etwa durch parkende PKW und LKW. Zu hohe Geschwindigkeit und mangelnde Verkehrstüchtigkeit seien weitere unfallbegünstigende Faktoren. Sicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer brauche mehr Platz als beiden bisher im Straßenverkehr eingeräumt würde.

Sicherheit wahrnehmen

Dass auch bei der Verkehrssicherheit der Schein trügen kann, zeigen Forschungen der TU Braunschweig zum Einfluss der Infrastruktur auf das Überholverhalten von Autofahrern. Das erstaunliche Ergebnis: fehlende Markierungen verleiten Autofahrer dazu, den gesetzlich geforderten Mindestabstand von 1,5m häufiger einzuhalten.

Laut Tilman Bracher vom Deutschen Institut für Urbanistik wird eine zeitgemäße Straßenverkehrsordnung derzeit dringend gesucht. § 45 StVO („verkehrsbeschränkende Maßnahmen“) und insbesondere die Rechtsprechung verankern, so der Verkehrsexperte, weiterhin die Privilegierung des Autoverkehrs. Das gelte es mit einer klug novellierten StVO zu ändern, bevor ein „Dachgesetz“ zur Straßenverkehrsplanung verwirklicht werden könne.

Auch die subjektive Sicherheitswahrnehmung spielte in Essen eine Rolle: Fußgänger und Radfahrer fühlen sich zunehmend von motorisierten Fahrzeugen bedrängt, wobei auch das Verhältnis von Fußgängern und Radfahrern untereinander oft nicht von Rücksichtnahme geprägt ist.

Die auf dem Kongress vorgestellte Verkehrssicherheitskampagne „Liebe braucht Abstand“ möchte das ändern und thematisiert dazu das häufig problematische Abstandsverhalten zwischen den ungleichen Verkehrsteilnehmern. Sie wird kooperativ von der AGFS, dem Zukunftsnetz Mobilität NRW und der Landesverkehrswacht NRW durchgeführt und vom Ministerium für Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen finanziert und begleitet.

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